Die Telefonseelsorge Potsdam
Einblicke in die Arbeit und Ausblicke für 2009
Der Arbeit am Telefon, die Besetzung der Leitung 24 Stunden am Tag
an 365 Tagen im Jahr ist das Kernstück der Telefonseelsorge.
Die Begleitung der Arbeit in Ausbildung, Supervision, Fortbildungen und
persönlichen Gesprächen bildet das Fundament für die Motivation und
Kompetenz des Einzelnen sowie für die Sicherung der Qualität der
Arbeit.
Seit März 2008 erarbeiten Ehrenamtliche, die Leiterin der Stelle und
eine Qualitätsbeauftragte des Diakonischen Werkes Potsdam ein Qualitätshandbuch über die internen Regeln und Rahmenbedingungen der
Arbeit. Nach einer Befragung der Ehrenamtlichen zu Motivation und Zufriedenheit
in der Arbeit und in der Begleitung im Ehrenamt sind die
ersten Schwerpunkte zur Sicherung und Anhebung der Qualität geschrieben
bzw. einzelne Prozesse und Abläufe verbessert und fachlich
vertieft worden. Sie ermöglichen Transparenz und Verbindlichkeit im
Team der über 90 Ehrenamtlichen
Geplant ist, bis zum Ende 2009 das Qualitätshandbuch in einer ersten
Fassung fertig zu stellen.
Im August 2008 wurde der 2. Ehrenamtpreis der Stadt Potsdam ausgeschrieben.
Unter den nominierten Preisträgern, die zur feierlichen Übergabe
in der Friedenskirche eingeladen wurden, war auch die TelefonSeelsorge Potsdam. Mit großer Freude nahmen wir den 2. Preis in der
Kategorie Projekte entgegen. Insbesondere wurden die 19 langjährigen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (die über 10 Jahre ehrenamtlich in der
Telefonseelsorge Potsdam tätig sind) für ihr stetiges Engagement
geehrt.
Am 01. Oktober 2009 wird die TelefonSeelsorge Potsdam 15 Jahre alt!
Wir begehen dieses Jubiläum am 10. Oktober 2009 mit einem Festgottesdienst,
gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendtelefon Potsdam, das
dann 10 Jahre besteht. Gleichzeitig feiern wir den Tag der TelefonSeelsorge
Berlin-Brandenburg mit einer Fachtagung zum Thema des vorliegenden
Jahresberichts „Kommunikation im Wandel“.
Ausbildung
„Es besteht die Möglichkeit,
dass wir verändert werden,
wenn wir wirklich genau zuhören
und uns in die Welt des anderen einfühlen.“
Thomas Gordon
Die Ausbildung umfasst insgesamt acht Wochenenden, sechs Themenabende
und Hospitationen in einem Zeitraum von einem Dreivierteljahr.
Die wichtigsten Säulen der Ausbildung sind: Gesprächstraining,
-führung, -arten, Einführung und Vertiefung am Telefon relevanter
Fachthemen, Selbsterfahrung und Hospitation.
Die Ausbildung befähigt die Ehrenamtlichen einerseits, am Telefon kompetente
Gesprächspartner zu sein, d.h. sich auf die Sorgen der Anrufenden
einzulassen, zuzuhören, zu trösten und zu ermutigen - Hoffnung zu
haben für Hoffnungslose. Andererseits lernen sie aber auch, sich mit
den Möglichkeiten und Beschränkungen dieses Hilfsangebotes auseinanderzusetzen
und auf unterschiedliche Gesprächsarten einzu
gehen.
Das Gesprächstraining erfordert eine Bereitschaft, offen zu sein, eigenes
Gesprächsverhalten zu entwickeln und sich emotional und sachlich auf
die Anliegen der Anrufenden einzulassen. Die Auszubildenden lernen
Gespräche zu strukturieren, eigene Grenzen zu beachten und mit verschiedenen
Anrufersituationen und Gesprächserfordernissen umzugehen.
Sie merken, dass viele eigene Erfahrungen, der Umgang mit persönlichen
Krisensituationen die Art ihrer Gesprächsführung beeinflussen. Von
daher bilden Aspekte der Selbsterfahrung einen weiteren Schwerpunkt
in der Ausbildung. Es ist für alle eine beglückende Erfahrung, mehr und
mehr dem Anliegen der Telefonseelsorge gerecht zu werden und gleichzeitig
eine ganz persönliche Art zu entwickeln, mit Anrufenden zu
sprechen. Entlastend wirkt auch die Erkenntnis, dass es nicht einfach
ein „richtig“ oder „falsch“ gibt, sondern dass es immer darum geht, sich
auf den Anrufenden einzustellen, zu versuchen, ihn einfühlend zu verstehen
und im Gespräch zu begleiten. Wichtig ist es, mit offenem Ohr
und Herzen da zu sein.
Besonders die Ausbildungswochenenden bieten Gelegenheit, einen persönlichen
inneren Lernprozess in Gang zu setzen und eine tragfähige
Gemeinschaft in der Gruppe miteinander zu gestalten.
Wichtig ist die Auseinandersetzung mit seelsorgerlichen Themen und die
Einführung in verschiedene psycho-soziale Fachthemen, zum Beispiel:
Einsamkeit, psychische und physische Erkrankungen, Partnerschaftsprobleme,
Gewalt, Krisen, Sucht und Trauer.
In der Phase der Hospitationen können die Auszubildenden die Praxis
am Telefon erproben; dabei werden sie von erfahrenen Mentoren begleitet,
erhalten Feedback und Supervision.
Ein großer Dank gilt an dieser Stelle dem Ausbildungsteam und den
Mentoren für ihre Kompetenz, ihre Kreativität und Sensibilität.
Im Sommer 2008 wurden 16 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung für ihren Dienst am Telefon
für drei Jahre beauftragt.
Die Gemeinschaft des Ausbildungskurses hält weit über die Zeit hinaus
und hilft den Alltag und die Herausforderungen am Telefon zu bewältigen.
Orte des Wiedersehens sind Feste zum Beginn des Jahres und im
Sommer, dazu der regelmäßige „Stammtisch“ ehemaliger wie aktiver
Ehrenamtlicher.
Im Herbst 2008 hat ein neuer Kurs mit 14 Interessentinnen und Interessenten
begonnen.
Aufhebung
Sein Unglück
Ausatmen können - tief ausatmen
So dass man wieder einatmen kann.
Und vielleicht auch sein Unglück
sagen können
In Worten
in wirklichen Worten,
die zusammenhängen und Sinn haben,
die man selbst noch verstehen kann,
und die vielleicht sogar irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte.
Und weinen können.
Das wäre schon
fast wieder
Glück.
Erich Fried
Supervision
Derzeit gibt es 7 Supervisionsgruppen in der Telefonseelsorge Potsdam,
die alle einmal monatlich stattfinden.
Ausgebildete Moderatorinnen und Moderatoren, die gleichzeitig Ehrenamtliche
am Telefon sind, leiten die Gruppen. Sie ermöglichen in den
Supervisionen, die Praxis am Telefon zu reflektieren, die persönliche
Kompetenz zu erweitern und dabei Grenzen, Chancen und eigene Ansprüche
zu klären.
Es ist in hohem Maße wichtig, die unterschiedlichen Zugangsarten und
Gesprächsführungsweisen der Gruppenmitglieder anzuhören und zuzulassen.
Dadurch können sie neue Erfahrungen sammeln und in Einklang
mit der eigenen Persönlichkeit bringen. Die Gruppe nimmt die aufgetretenen
Belastungen auf und hilft das Gleichgewicht zwischen Nähe und
Distanz zu halten.
Danken möchte ich den Moderatoren der Supervisionsgruppen, die jeden
Monat für Telefonseelsorgerinnen und -seelsorger eine Reflexion
und so manches Mal einen neuen Blick auf die oft nicht einfachen Gespräche
ermöglichen.
Fortbildungen
Verschiedene Fortbildungsangebote bieten den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern die Möglichkeit, Gelerntes zu vertiefen, Kompetenzen zu
erweitern, sich mit Themen am Telefon auseinanderzusetzen, Erfahrungen
auszutauschen sowie für die eigene Psychohygiene zu sorgen. Fortbildungen
werden an Wochenenden, Samstagen und Abenden angeboten.
Die Teilnahme an einem Angebot im Jahr ist verpflichtend. Sie sind
ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit und ein Baustein der Qualitätssicherung. Einblicke in die Themen des Fort- und Weiterbildungsangebotes der
Telefonseelsorge Potsdam im Jahr 2008:
- Gewaltfreie Kommunikation nach M. Rosenberg mit anschließendem
vertiefendem Gruppenangebot über 8 Wochen
- Borderline - Selbstverletzendes Verhalten, Einblicke in ein Krankheitsbild
- Ein Lichtblick – Entspannung und persönliche Balance
- Das zukunftsorientierte Kurzgespräch in der Seelsorge – Einführung
in die Kunst des mäeutischen Fragens nach Timm H. Lohse
- Das MO- Zuhören und gehört werden- Zuhörseminar
- Umgang mit der eigenen Hilflosigkeit
- Wohlfühlwochenende – für langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendtelefon Potsdam
- Gespräche mit traumatisierten Anrufern (in Zusammenarbeit mit
der Telefonseelsorge Magdeburg)
Für das Jahr 2009 sind die Fortbildungen unter anderem zu folgenden
Themen geplant:
- Ältere Menschen am Telefon – Umgang mit einsamen und
depressiven Anrufern;
- Angsterkrankungen;
- Übertragung und Gegenübertragung;
- Aufstellungen in der Fallarbeit – Reflektionsmethode;
- Stimme und Sprache;
- Kinder- und Jugendliche – Auftrag, Ziel und Haltung;
- Gesprächsführung und Gesprächsstruktur – Grenzen und Möglichkeiten
im Gespräch.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorgestellen der
Region Berlin-Brandenburg können an Fortbildungen der anderen Stellen
teilnehmen. Sie haben so ein vielfältiges Spektrum an Weiterbildungsangeboten
und die Möglichkeit zum Kontakt und Austausch untereinander.
Unterstützung für die TelefonSeelsorge Potsdam
Die qualifizierte Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Telefonseelsorge braucht eine finanzielle Grundsicherung und
die inzwischen kontinuierliche Unterstützung durch Spenden, jedoch
auch das ideelle Getragenwerden durch viele Engagierte.
Der Freundeskreis der Telefonseelsorge Potsdam, in dem sich aktive wie
ehemalige Ehrenamtliche und Interessierte zusammengefunden haben,
wird im Jahr 2009 wieder Aktionen und Veranstaltungen planen. Ziel ist
es, Spenden einzuwerben und Förderer zu gewinnen sowie die Arbeit in
der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der Freundeskreis freut sich über
weitere Mitwirkende!
Im Jahr 2008 wurde die Arbeit, gerade im Bereich der Fort- und Weiterbildung
durch viele Spenderinnen und Spender unterstützt. Ihnen allen
sei herzlich Dank gesagt für ihre Unterstützung dieser so wichtigen Arbeit.
Ganz besonders nennen möchte ich an dieser Stelle den Förderverein
der Kirchlichen TelefonSeelsorgen Berlin-Brandenburg, den
Rotary-Club Potsdam, das Lions Hilfswerk, die DBK Immobilien Potsdam
sowie die Ausbildungspaten.
Ein großer Dank gilt allen, die uns mit Kollektengaben in den Gemeinden,
in Einrichtungen und im Kirchenkreis Potsdam und durch ihr Mitdenken,
ihr Mittun und mit ihrem Gebet mittragen und fördern.

Benefizkonzert im Mai 2008, „MontagsOrchester“ in der Friedenskirche Potsdam unter Schirmherrschaft von
Ministerin Dagmar Ziegler und Oberbürgermeister Jann Jakobs
Ein Erfolg und eine wunderbare Veranstaltung war das Benefizkonzert
im Mai 2008 mit dem „MontagsOrchester“ und seinem Programm „Musikalische Reise von Argentinien bis zum Ural“ zugunsten der Aus- und
Weiterbildung in der Telefonseelsorge Potsdam mit anschließendem
Empfang. Besonders danken wir den Sponsoren: Bio Company Potsdam,
Seminaris Seehotel Potsdam, Outfit Außenwerbung GmbH sowie
den Vorbereitenden und Mitwirkenden.
Am 07. Mai 2009, um 19.30 Uhr, wird das 4. Benefizkonzert in der
Friedenskirche Potsdam mit dem Saxophonorchester „Meier´s Clan“
stattfinden. - Seien Sie herzlich willkommen!
Wenn Sie die Arbeit der TelefonSeelsorge Potsdam mit unterstützen
möchten, so bieten wir Ihnen diese Möglichkeiten:
- Mitarbeit im Freundeskreis der TelefonSeelsorge Potsdam
- Mitgliedschaft oder Fördermitgliedschaft im Förderverein für die
Kirchlichen TelefonSeelsorgen Berlin-Brandenburg
- direkte Spenden auf das Spendenkonto der TelefonSeelsorge
Potsdam
Diakonisches Werk Potsdam e.V.
Konto-Nr. 11 74 777 BLZ: 100 602 37
Ev. Darlehnsgenossenschaft Kiel eG, Filiale Berlin
Stichwort: Telefonseelsorge
Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenbescheinigung.
Weitere Informationen dazu und zur Arbeit erhalten Sie über die Geschäftsstelle
der TelefonSeelsorge Potsdam.
Ich freue mich auf ein ereignisreiches, gutes und gesegnetes neues Jahr
2009. Mögen Sie die nachfolgenden Worte in Ihrem Tun erfahren und zu
Ihrer Wegbegleitung werden lassen!
Beate Müller
Leiterin der Telefonseelsorge Potsdam
Ein Weiser
wurde gefragt,
welches die wichtigste Stunde sei,
die der Mensch erlebt,
welches der bedeutendste Mensch,
der ihm begegnet,
und welches das notwendigste Werk sei.
Die Antwort lautete:
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart,
der bedeutendste Mensch immer der,
der dir gerade gegenübersteht,
und das notwendigste Werk
ist immer die Liebe.
Meister Eckhart |